Einmal England und zurück

Viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner können auf ein Leben voller Geschichten zurückblicken und manche freuen sich sehr darüber die ihren mit der Welt teilen zu können. Eine von ihnen ist unsere Frau Hovorun.


Betritt man das Zimmer der Dame mit dem fröhlichen Lächeln, wird augenblicklich klar, dass sie spannendes zu berichten hat. Denn neben herzerwärmenden Bildern ihrer Angehörigen, findet man sich unter den stolzen Blicken diverser Porträts der verstorbenen Queen Elizabeth II. wieder. Was es wohl damit auf sich hat? Auch zieren ihr Zimmer eine Vielzahl an selbst gehäkelten Polstern und Decken. „Einige davon hat meine Mutter gemacht und ich hüte sie wie meinen Augapfel!“, erklärte Frau Hovorun stolz, „Ich habe immer eine kleine Decke darauf, damit ihnen nichts passiert.“

Frau Hovorun wurde vor 90 Jahren als ältestes von sechs Kindern in Piesting im südlichen Niederösterreich geboren. Ihre Familie lebte über einer Brauerei und genoss, trotz ihrer fleißigen Eltern – ihr Vater arbeitete in einer Fabrik und ihre Mutter war Haushaltshilfe in diversen Gasthäusern -, keinen besonders guten Ruf im Ort. „Leider war meine Familie recht arm, eine Tatsache an der sich viele im Ort störten. "Wir wurden oft als Gesindel bezeichnet. Was uns sehr verletzte, doch mein Vater verlor niemals seinen Stolz!“ weiß Frau Hovorun zu berichten.

Im jungen Erwachsenenalter putzte auch Frau Hovorun in Gasthäusern, war aber von der Tätigkeit nicht sonderlich angetan. Sie wollte lernen und die Welt sehen. Und das sollte sie auch, wie sich zeigen wird.

„Mit 20 reiste ich mit einer Gruppe, leider weiß ich nicht mehr, um welche Art von Gruppe es sich handelte, nach England um dort Urlaub zu machen.“ Dieser Urlaub sollte ihr Leben verändern und ihre Liebe zu diesem Land erklären, denn sie blieb 50 Jahre in England.
Durch Umwege bekam sie das Angebot in einer Baumwollfabrik zu arbeiten. „Diese Arbeit machte mir Spaß und ich mochte sie sehr. Weil ich so fleißig war, bekam ich das Angebot einer fixen Anstellung, welches ich dankbar annahm!“. In der Fabrik lernte sie ihren Mann kennen, einen geborenen Ukrainer mit sehr guten Deutschkenntnissen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.

Trotz einiger Schicksalsschläge, so starb ihr Mann bedauerlicherweise recht früh, führte sie in den 50 Jahren ein gutes Leben und ist sehr dankbar dafür.
„Im Alter hatte ich den Wunsch wieder nach Hause zu kommen und nun bin ich hier!“, sagt sie mit einem Lächeln. Auf die Frage, ob sie sich bei uns wohlfühlt, antwortet sie: „Sehr! Ich bin zufrieden, es geht mir gut und ich liebe mein Zimmer.“

Wir sind sehr froh, dass Frau Hovorun bei uns ist und Teil ihres Lebens sein dürfen.     

Viele Andenken aus ihrer Zeit in England zieren Frau Hovoruns Zimmer.
Frau Hovorun hat spannendes zu berichten!

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